Reisebericht eines ehemaligen Deutschlandfahrers von einem Teil der 41. AAR

 

Das „Schulschiff Deutschland“, schwimmende Schule für die Offiziersanwärter der Bundesmarine, lief am 1. Februar 1972 mit 300 Mann Stammbesatzung und 110 Fähnrichen an Bord von seinem Heimathafen Kiel zu einer 5-Monatigen Auslandsausbildungsreise aus. Auf dieser Reise wurden die Häfen Safi / Marokko, La Guaira / Venezuela, Cartagena / Kolumbien, New Orleans  und New York / USA, Las Palmas / Canarische Inseln, Brest / Frankreich und Tromsö / Norwegen angesteuert.

 

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Auslaufen

Biscaja

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Tromsö

Tromsö

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Auslauffeier

Bordfest

 

Nach der Fahrt durch Ost- und Nordsee und den Englischen Kanal ging es bei stürmischer See durch die Biscaja, weiter längs der Spanischen Küste richtung Afrika, wo vom 11. Bis 15. Februar der Südmarokkanische Hafen Safi das erste Ziel bildete.

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Nach der endlosen Schaukelei durch die Biscaja sind wir froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Wir mit unseren blauen Uniformen und weißen Mützen fallen natürlich überall in der Stadt auf. Sei es auf dem Gang durch die Medina, durch die Altstadt mit den engen, winkligen Gassen, den winkelförmigen ineinander verschachtelten Häusern, oder sei es auf dem Souk, dem Handelsviertel. Unter den Menschen hin und wieder eine junge, europäisch gekleidete, unverschleierte Marokkanerin. Islamische Tradition und Fortschrittsstreben einer jungen Generation – werden sie sich auf die Dauer miteinander vereinbaren lassen?

Einen Tag verbringen wir in Marrakesch, der alten, Traditionsreichen Königsstadt am Rande des Atlasgebirges. Seine Schneebedeckten Gipfel blicken fast ironisch auf uns herab, während wir in der Hitze der Mittagssonne in der Stadt vielschichtige Eindrücke gewinnen. Da sind die Schlangenbeschwörer, die Schausteller, die Händler, aber auch die Armut, die Rückständigkeit, das harte Klima und die Hitze Nordafrikas.

Dann geht es weiter.

Der „Große Teich“ bleibt ruhig. Neptun meint es gut mit uns. Bei herrlichem Wetter überqueren wir den Atlantischen Ozean, oft begleitet von „Flipper“ und Familie, sowie von schwärmen fliegender Fische.

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Am Montag dem 6. März laufen wir in den Venezulanischen Hafen La Guaira ein.

Auf organisierten Rundfahrten lernen wir Caracas und Umgebung kennen, am Küstenstrand genießen wir karibische Badefreuden. Die Stimmung ist so hervorragend, daß man sich wünscht, diese Stunden gingen nie zu Ende. Immer wieder zieht Caracas, die Große Metropole, uns in Ihren Bann. Es ist eine Stadt voller Kontraste. Auf etwa 900 bis 1000 Meter Höhe, in einem Längstal der Andenausläfer gelegen, bietet sie das Bild einer hochmodernen City mit Hochhäusern, gewaltigen Verwaltungskomplexen und einem großzügig ausgebauten Straßennetz. Das alles verwischt aber nicht unzählige Beispiele tiefster Armut.

Mit der „Teleferico“, der Seilbahn, fahren wir hinauf ins Küstenbebirge. Schon scheint die Bahn in den Wolken zu verschwinden, da durchbricht die Sonne diesen Schleier. Aus 2000 Meter Höhe genießen wir eine einmalige Aussicht auf die Millionenstadt, erkennen ihre gewaltigen Dimensionen, die wir im Urwald der Straße nur zu ahnen gewagt hätten. Am Abend steigert sich der Eindruck zu überwältigender Faszination. Die beleuchteten Ranchos überschwemmen die gesamten Gebirgshänge mit einem Lichtermeer, als habe man die Milchstraße auf die Erde geholt, und die Buntheit der Leuchtreklamen weltbekannter Firmen, die am ausgeprägtesten in der „Savannah Grande“, der größten Geschäftsstraße, zu finden sind, potenzieren die Eindrücke zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Freitag den 10. März, 10.00 Uhr Ortszeit. Von der Brücke tönen schrille Pfiffe, das Ablegemanöver wird angepfiffen, die Festmachleinen eingeholt, die Schiffsschrauben wirbeln das Hafenwasser auf, Schleppersignale erdröhnen – wir fahren weiter. Während der Brückenmaat „antreten zum Dienst“ auspfeift, können wir nur noch zurückwinken.

aar7.jpg (11448 Byte) Wochenende an Bord

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Die Tage in Venezuela sind schon Erinnerung geworden, als wir vor uns die Umrisse der Kolumbianischen Küste erblicken, und wenig später in Cartagena festmachen.

Cartagena bietet den Geschichtshungrigen unter uns reichlich Anregungen zum Studium. Die engen Straßen der Altstadt reizen zum Stadtbummel, überall versuchen Einheimische landesübliche Souvenirs zu verkaufen, seien es Macheten, Ponchos, präparierte Leguane oder riesige Korallenmuscheln. Während wir am herrlichen Sandstrand von Boca Grande liegen, uns von der Sonne bescheinen lassen, faulenzen und entspannen, träumt vielleicht mancher von den Zahlreichen Kämpfen um diese Stadt – doch all dies ist Vergangenheit.

Dann heißt es wieder „alle Leinen los“. Wir verlassen Südamerika, fahren der Neuen Welt entgegen.

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New Orleans, die berühmte City am Mississippi heißt unser nächster Hafen. Noch haben wir die Abschiedsklänge der kolumbianischen Militärkapelle im Ohr, da meinen wir schon aus dem Rauschen der Meereswellen die Töne herauszuhören, die uns die Jazzkönige der Bourbonstreet in New Orleans entgegenspielen............................

..............Die Reise, und damit auch dieser Bericht gehen natürlich noch weiter, aber leider ist der Rest davon im Laufe der Jahre verschütt gegangen.

Vielleicht findet sich aber gerade jetzt mit den modernen Kommunikationsmitteln ein ehemaliger Teilnehmer dieser 41.AAR, der diesen Bericht erweitert oder vielleicht vervollständigt. Dies wäre sicher auch für andere wünschenswert.