LFTASS"Low frequency towed active sonar system"

Eigene Einheiten gegen die Bedrohung durch Uboote zu schützen ist eine der Aufgaben von Überwasserseekriegsmitteln. Die frühzeitige Detektion von Ubooten, um präventive Maßnahmen ergreifen zu können oder zumindest die Möglichkeit zur Selbstverteidigung zu erhalten, ist die unabdingbare Voraussetzung.

Seitdem Uboote als Seekriegsmittel eingesetzt wurden, gibt es einen Konkurrenzkampf zwischen den Ubootkonstrukteuren und den Erbauern von Überwassereinheiten. Der Ubootfahrer versucht sein Boot so zu konstruieren, daß es immer schwerer ortbar wird, der Schiffsfahrer sieht seine Aufgabe darin dieser Schwerortbarkeit immer bessere Ortungsgeräte und Methoden entgegen zu halten.

Die Entwicklung der letzten Jahre hat verdeutlicht, daß die Ubootbedrohung weltweit zunimmt. Sehr viele Marinen haben die Vorteile kleiner konventioneller Uboote, die im Küstenvorfeld und dort auch im flachen Wasser operieren können, erkannt. Die Einführung des aussenluftunabhängigen Antriebs bedeutet für den Ubootbau und den damit einhergehenden operativen Fähigkeiten konventioneller Uboote einen großen Entwicklungsschritt. Für die
U-Jagd gilt es diesen technischen Vorsprung durch modernere Ortungssysteme auszugleichen.

Bisher nutzten die U-Jäger hauptsächlich das Hull mounted sonar (HMS) und/oder die luftgestützten Sensoren der Helikopter und des MPA. Die Fähigkeiten des HMS sind aufgrund der mittelfrequenten Ausstrahlung, der Eigengeräusche der Trägereinheit, der Beeinflussung durch Seegang und der Behinderung durch Temperatur- und Salzschichten eingeschränkt. Bereits Mitte der achtziger Jahre forderte die deutsche Marine ein tieffrequentes Aktiv-/Passivsonar für die Überwassereinheiten. Ende 1988 wurde für die Fregatten der Klasse 123 die Forderung nach einem Passiv Towed Array Sonar gestellt.

Die massive Geräuschreduzierung der Uboote und die größer werdende Bedeutung des Littoral warfare führten Anfang 1993 zu der Entscheidung die Fregatten Klasse 123 mit einem tieffrequenten Active Towed Array Sonar auszurüsten.

International wurde der Bedarf nach einem geschleppten tieffrequenten Aktivsonar ähnlich wie in Deutschland festgestellt. Mehrere NATO-Nationen formulierten einen operativ-taktischen Bedarf an einem "Low frequency towed active sonar system (LFTASS). Erfahrungen wurden von Frankreich und Deutschland eingebracht. Frankreich konnte die Expertise für die Tiefwasser- und Deutschland die Kenntnisse der Flachwasserortung beisteuern. Dies führte zur bilateralen Rüstungskooperation zwischen beiden Ländern.

Nach der Feststellung eines gemeinsamen Bedarfs, galt es die Einsatzforderungen, die an ein derartiges Ortungssystem zu stellen sind, zu definieren. Um den Einsatz auf den verschiedensten Schiffstypen wie z.B. der Fregatte Klasse 123 sicherzustellen, müssen Abmessungen und Gewicht sehr begrenzt sein. Die Abstrahlungen des Sonars müssen im tieffrequenten Bereich liegen, um mögliche absorbierende Beschichtungen an der Aussenhaut der Uboote auszuschalten. Das Sonar muß in flachem und tiefem Wasser auf große Reichweiten auch bei schwierigen Schallausbreitungsbedingungen mit Erfolg einsetzbar sein. Die Reichweite ist so gefordert, daß man dem Grundsatz die U-Jagd von außen nach innen aufzubauen treu bleiben kann. Das LFTASS muß für den multistatischen Betrieb und eine spezielle Torpedoortungskomponente nachrüstbar sein, es soll gute Klassifizierungseigenschaften besitzen und die Fähigkeit zur links/rechts Unterscheidung haben.

Frankreich und Deutschland haben mit Unterzeichnung des MoU im April 96 die gemeinsame Definitionsphase gestartet, die bis 1998 andauern wird.

Im Anschluß daran beginnt die Entwicklungsphase, die mit der Beschaffung für die deutsche Fregatte Klasse 123 und die französische Fregatte F 70 in 2002 abschließt.

Der technische Vorsprung der schwer ortbaren Uboote wird mit der Entwicklung eines geschleppten tieffrequenten Aktivsonars in Frage gestellt. Die Erwartung ein Uboot bereits vor Erreichen seiner Torpedoschußposition zu orten und ihm somit die taktische Initiative zu beschneiden ist Grund genug die Entwicklung des LFTASS mit großer Anstrengung weiter voranzutreiben.