MH 90 /NH 90
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Allgemeine Darstellung

Der MH 90 wird gemeinsam mit dem Transporthubschrauber der Luftwaffe ( LTH/SAR )

und des Heeres ( LTH ) auf der Basis des " Nato Helicopter for the nineties ( NH90 ) "

realisiert.

Das Vorhaben NH 90 ist ein quadrolaterales Hubschrauberprogramm. Die Kooperationspartner sind Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland. Grundlage für das NH 90-Programm sind die Nato-Studien für einen Nato Frigate Helicopter (NFH) und für einen neuen Tactical Transport Helicopter (TTH) zu Beginn der 80ziger Jahre. Die Harmonisierung der Studien zeigte, daß beide Waffensysteme aus einem gemeinsamen Basishubschrauber entwickelt werden können, der alle Elemente enthält, die für beide gleich oder fast gleich sind. Die Forderungen wurden in einem Nato Staff Requirement zusammengefaßt, das dann die verbindliche Vorgabe für die sich anschließende Projektdefinitionsphase war. Die Spezifikationen für beide Versionen wurden bis 1992 fertiggestellt. Das Vorhaben befindet sich in der Entwicklungsphase.

Die Teilnehmer haben entsprechende Regierungsvereinbarungen unterzeichnet und für das amtsseitige Programmanagement die Nato Helicopter Management Agency (NAHEMA) eingerichtet. Die Firmen Eurocopter Frankreich (ECF), Eurocopter Deutschland (ECD), die italienische Firma Gruppo Agusta und die holländische Firma Fokker bilden die gemeinsame Tochter " Nato-Helicopter-Industries ( NHI ) ". Beide Einrichtungen haben ihren Sitz in
Aix-en-Provence.

NAHEMA und NHI unterzeichneten am 1. September 1992 den Entwicklungsvertrag. Die Arbeitsteilung erfolgte entsprechend der Kostenbeteiligung der Teilnehmerländer mit 41.6% für ECF, 28.2% für Gruppo Agusta, 23.7% für ECD und 6.5% für Fokker.


NH 90-Helicopter

Von der Grundkonzeption her ist der gemeinsame Basishubschrauber als zweimotoriger Mehrzweckhubschrauber der 9 t-Klasse mit großvolumiger Kabine ausgelegt. Für die konstruktive Auslegung des Hubschraubers wurden militärische Forderungen und

verfügbare Hochtechnologien konsequent mittels Kosten-Nutzen-Analyse überprüft und

bewertet. Der technologische Standard wurde so gewählt, daß einerseits ein moderner, vielseitig einsetzbarer Hubschrauber entsteht, andererseits ein kostenreduzierter Einsatz und wirtschaftlicher Betrieb möglich wird. Erstmalig kommen bei Hubschraubern Technologien zur Anwendung wie z.B. "fly-by-wire-Flugsteuerung, Faserverbundbauweise der Zelle, datenbusgeführte Avioniksysteme und "Glascockpit" in LCD-Technologie. Dies bringt besseres
"Flight-handling", Gewichtersparnis, höhere Bruch-und Beschußsicherheit und verbesserte Korrosionsfestigkeit.
Ein Monitoring and Diagnostic System reduziert den Wartungsaufwand und ermöglicht
"On-Condition-Maintenance".
Zur Kostensenkung werden für die Ausrüstung des NH 90 fertig entwickeltes Gerät
("off-the-shelf") sowie Entwicklungsergebnisse aus anderen Hubschrauberprogrammen berücksichtigt. Durch konsequente Einbeziehung logistischer Aspekte in der Entwicklung durch "Integrated Logistic Support-Verfahren" sollen die Lebenswegkosten (Life Cycle Cost) minimiert werden.


Bedarf
Insgesamt sollen nach derzeitiger Planung 647 Hubschrauber produziert werden. Für die Bundeswehr davon 120 LTH für das Heer, 85 LTH/SAR für die Luftwaffe und 38 MH 90 für die Marine.

Der NH90 ermöglicht außer der Verringerung der Typenvielfalt in der Bundeswehr auch eine europaweite Standardisierung mit zunächst 8 Teilstreitkräften aus 4 Ländern.

Zur Einsparung von Kosten in der Entwicklung, Beschaffung und Nutzung wird von allen Nationen die maximal mögliche Kommonalität gefordert.


Marinehubschrauber 90

Der MH 90 soll als einheitlicher Marinehubschrauber im gesamten Aufgabenspektrum sowohl für den bordgestützten Einsatz auf Fregatten als auch zur Wahrnehmung der SAR-Aufgabe an Land eingesetzt werden. Er soll die Marinehubschrauber SEA KING und später auch die Bordhubschrauber SEA LYNX ersetzen.

An Bord der Fregatten sind Hubschrauber eine wesentliche Voraussetzung für einen wirkungs-

vollen Einsatz der Schiffe. Sie werden benötigt
- zur autonomen Entdeckung, Identifizierung und Bekämpfung von Ubooten,
- zum Entdecken, Identifizieren und Bekämpfen von Überwasserzielen,
- zur Ermittlung und Übertragung von Zieldaten an eigene Einheiten,

- für Personen-/Materialtransporte bei Operationen wie Versorgung in See, Verwundeten-/

Evakuiertentransporte, ggf. SAR.

An Land ( teilweise aber auch bordgestützt ) sind Hubschrauber die wesentliche Voraus-

setzung für die Wahrnehmung nationaler Aufgaben und internationaler Verpflichtungen

Deutschlands

- im Such- und Rettungsdienst ( SAR ) gem ICAO-Abkommen,
- für Personen- und Materiatransporte

- beim Umweltschutz,

- bei der Katastrophenhilfe.

Die Missionsausrüstung des MH 90 umfaßt

- ein 360°-Überwachungs- und Suchradar mit Track-While-Scan und
und Zielidentifizierungsfunktion sowie aktiver Freund-Feind-Erkennung,
- ein taktisches FLIR zur passiven Erkennung von Überwasserzielen,
- ein leistungsfähiges ESM zur Überwachung und Analyse elektromagnetischer Signale,
- eine umfangreiche Ausrüstung zur autonomen Ubootbekämpfung mit Tauchsonar,

Sonobojensystem und Leichtgewichtstorpedos.

Die Vielzahl von Sensoren und Effektoren erfordert ein hohes Maß an Automation. Das Herz des Missionsystems ist das Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES), über das alle Sensoren und Effektoren zum Missionsystem zusammengeführt und gesteuert werden.


Planung

Die ursprüngliche Planung der Marine war darauf abgestellt mit Zulauf der Fregatten 123 (BRANDENBURG-Klasse) auch den neuen Marinehubschrauber einsetzen zu können. Die Zulaufplanung mußte dann auf 1999 geschoben werden und ist nunmehr ab 2007 prognostiziert. Die Marine erwartet jetzt ihre ersten einsatzfähigen Serien-MH 90 in 2007. Damit wird auch bei planmäßiger Indienststellung der Fregatte 124 ab 2002 der dringend benötigte MH 90 noch nicht zur Verfügung stehen. Zulauf und Herstellung der vollen Einsatzfähigkeit wird sich dann noch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Die Erwartungen richten sich konsequent und unverändert auf eine Einführung so früh und zügig wie möglich. Für die bedarfsgerechte Ausrüstung der Marine mit mit leistungsfähigen Hubschraubern ist der MH 90 unverzichtbar.

Nach der derzeitigen Planung von NAHEMA und NHI soll trotz einer Verschiebung der Produktionsvorbereitung und Serienfertigung um 2 Jahre die Auslieferung eines
1. Serienhubschraubers 2003 möglich sein.

Der Erstflug des Basishubschrauberprototyps wurde pünktlich im Zeitplan im Dezember 1995 absolviert.